Textproben

Leserbriefe "... & Radieschen" #0

Lieber Standard!

An und für sich habe ich ja keine Ahnung, wer bei Euch für die TV-Seite verantwortlich ist. Aber die Sensibilität, mit der Euer Redakteur einen Fernsehsender dafür lobt, dass er am Todestag von Romy Schneider keinen der von ihr so gehaßten Sissy‑Filme sondern eine ihrer reiferen Arbeiten sendet, grenzt ans Metaphysische. Sieht Romy Schneider denn tatsächlich immer noch fern? Gibt es im Jenseits tatsächlich Kabelanschluss? Das würde die vielen Menschen innewohnende Angst vor dem Tod ein kleines bisschen verständlicher machen.

Euer Schwarzseher‑Radieschen


Liebes Österreich!

1955 hieß es „Österreich ist frei“ (das Land), 2006 wird „Österreich“ (die Zeitung) gratis verteilt. Stellt sich nur noch die Frage: Wann wird „Österreich“ (an und für sich) umsonst gewesen sein?

Euer Schnäppchenjäger‑Radieschen


Liebe Großkoalitionäre!

Gebt euch einen Ruck und besetzt Eure Teams für die Koalitionsverhandlungen in Zukunft auch mit ein paar Tieren. Ein Wetterfrosch zur Beobachtung des Gesprächsklimas, ein Lawinenhund zur Sondierung der Gesprächsbereitschaft (wenn’s geht mit Rumfläschen), ein Trüffelschwein zur Suche nach unter Aktenbergen verschütteten Verhandlern und ein paar hungrige Papiertiger zur Beschleunigung des Verhandlungstempos könnten an und für sich Wunder wirken. Wenn die Republik schon ein Schiff sein soll, dann ist der Arche Noah immer noch der Vorzug vor der Titanic zu geben.

Euer seekrankes Radieschen


Liebe Exspitzensportler!

In der ruhigen Gewißheit, dass die Karriere eines Spitzensportlers an und für sich auf einige wenige Jahre beschränkt ist, haben wir Eure ständige Bildschirmpräsenz mit gottergebener Engelsgeduld ertragen. Doch kaum habt Ihr Eure Laufbahn beendet, taucht Ihr wie die Untoten an anderer Stelle wieder im Fernsehen auf: Assinger fragt, Goldberger tanzt, Lauda analysiert, Prohaska stammelt, Polster trennt sich. Und Werbespots ohne Beteiligung ehemaliger österreichischer Spitzensportler scheinen den sofortigen Konkurs der beworbenen Firma nach sich zu ziehen. Kann den Wurschtel wirklich keiner derschlagen?

Euer Krokodil‑Radieschen


Liebe Arabella Kiesbauer!

Dass der Name Deiner Casting-Show Assoziationen zu psychotischen Krankheitsbildern weckt, überrascht zwar durch seine Ehrlichkeit positiv, hält den zum Serienverfolgungswahnsinn konditionierten TV‑Konsumenten aber dennoch nicht davon ab, mittels eines längst automatisierten Bewegungsablaufes pünktlich den Einschaltknopf zu betätigen (Suchtverhalten!). Mit an Hysterie (Hysterie!!) grenzender Mitleidensfähigkeit verfolgt er sodann mit einem lachenden und einem weinenden Auge (Schizophrenie!!!) die Höhen und Tiefen seiner persönlichen Favoriten und taumelt dabei ständig am schmalen Grat zwischen Euphorie und Verzweiflung entlang (manisch-depressiv!!!!), bevor er endlich in einen Zustand tiefster seelischer Erschöpfung gerät und jeden Bezug zum realen Leben verliert. Einer Anstellung als Moderator einer Casting-Show steht dann an und für sich nichts mehr im Wege.

Dein von Weinkrämpfen und Kreischorgien gebeuteltes Radieschen


Liebe CSI‑Teams!

Seit der an und für sich inflationären Zunahme amerikanischer Serien, die sich mit der kriminaltechnischen und gerichtsmedizinischen Seite des Verbrechens beschäftigen, sind bereits zwei unserer TV‑Redakteure unter rätselhaften Umständen verstorben. Der eine wurde an seinen Fernsehapparat gekettet am Grunde der Donau gefunden (die Ermittlungen waren ein Schlag ins Wasser), der andere erlitt offenbar bei dem Versuch, sein Gerät zu zerstören einen tödlichen Stromschlag (auch hier ist die Untersuchung an einem toten Punkt angelangt). Es wäre daher sehr nett, wenn Ihr uns einige Eurer Experten borgen könntet, damit wir vor Tatort entscheiden können, ob sie als Ermittler oder Hauptverdächtige mehr zur Klärung dieser Todesfälle beitragen können.

Euer Kommissar (wenn’s ein Hund sein kann, kann’s ein Radieschen schon lange) Radieschen