Textproben

Leserbriefe "... & Radieschen" #4

Lieber Herr Landeshauptmann Pröll!

Gute Idee, Asylanten zur Offenlegung ihrer Strafregisterauszüge zu verpflichten. Sonst könnte da ja ein jeder kommen – wenn schon nicht bleiben. Und wenn es weiterhin „Niederösterreich ist schön, komm bleib“, heißen soll, sollte schließlich jeder wissen, wer damit sicher nicht gemeint ist. In diesem Sinne wären auch Slogans wie „Asylanten kommt’s, schleicht’s euch“, Fremde sind uns stets willkommen, wenn’s nur als Touristen kommen“ oder „Fein sein, untereinander bleib’n“ sehr brauchbar.

Dein aufenthaltsunwilliges Radieschen

P.S.: Ob nicht auch so eine kleine Kennzeichnungspflicht für Asylanten hilfreich wäre? Gibt’s ja für Genmais schließlich auch. Man müsste nur ein aussagekräftiges Symbol dafür finden, wenn mir nur eines einfiele… Ups, jetzt habe ich zu lange in die Sonne geschaut. Ich sehe alles gelb, und vor meinen Augen tanzen lauter so kleine Sterne. Nein, ich habe keine Ahnung, was man da nehmen könnte.


Lieber Gusi!

Bist Du eigentlich noch bei Dir? Oder hast Du einen Teil Deiner Persönlichkeit schon abgeschoben? Und ist Asylpolitik grauslich, weil oder trotzdem die entsprechenden Gesetze von Deiner Partei mitbeschlossen wurden?

Dein schizophrenes Radieschen


Liebe Polizei!

Natürlich bist und bleibst Du unser aller Freund und Helfer, das ist ja klar. Gerade weil Dein Dienst so schwer ist. Als Polizist wird man im Alltag ja immer wieder von rasenden Kfz-Lenkern, alkoholisierten Radfahrern oder auf frischer Tat ertappten Kleinkriminellen grundlos angefeindet. Da ist es dann doch schön, auch ein paar Freunde zu haben, die sich sogar in einem Verein organisieren, um den wackeren Hütern des Gesetzes mit ein paar Unterstützungsleistungen den Rücken nicht nur moralisch zu stärken. Und natürlich käme niemand auf die Idee, aus solch kleinen Gefälligkeiten persönlichen Vorteil schlagen zu wollen. Nein, da wäscht eine Hand die andere in Unschuld. Denn Dienst muss Dienst bleiben, damit Schnaps auch Schnaps bleiben kann, und aus Freunden keine Freunderln werden. Auf in die Wirtschaft!

Dein auf einer geradezu bestechenden Unschuldsvermutung beharrendes Radieschen

P.S.: Wer den Reisegutschein nicht ehrt, nicht sehr weit auf Urlaub fährt.


Liebe ÖVP-Schulreformer!

Wenn man euren Bemühungen so zuschaut, kommt einem unwillkürlich der Verdacht, dass ihr noch einmal eure eigene Schulzeit durchlebt. Ihr liefert euch einen beinharten Kampf um die Rolle als Klassenkasperl. Ihr sitzt in der Eselsbank und schwätzt, bis ihr in der Ecke stehen müsst. Ihr gebt patzige Antworten und müsst dafür nachsitzen. Ihr verpetzt jeder den anderen und bekommt dafür eine Eselsmütze aufgesetzt. Ihr werdet an die Tafel gerufen und seid auf die Einsager aus den vorderen Reihen angewiesen. Ihr bleibt sitzen, weil ihr eure Hausaufgaben noch immer nicht gemacht habt. Ihr habt ja nie für die Schule, sondern immer nur für das Leben gelernt. Und im nächsten Schuljahr geht der ganze Zirkus wieder von vorne los.

Euer gar nicht gesamt geschultes Radieschen


Liebe rote Rübe!

Ja, ich weiß, wir sind Vettern. Aber ist das schon ein Grund, dass Du mir jedes Jahr etwas zu Weihnachten schenken musst? Und jedes Jahr dasselbe. Immer Roten-Rüben-Saft. Ich hasse Roten-Rüben-Saft. Bitte hör auf damit. Wir sollten uns nichts mehr schenken, denn wenn mir nichts geschenkt würde, bliebe mir manches erspart.

Dein unbedachtes Radieschen

P.S.: Der Bierradi ist, so wie jedes Jahr, schon auf dem Weg zu Dir.
P.P.S.: Das wird Dir eine Lehre sein.


Lieber Handel!

Warum weinst Du am lautesten, wenn Du die besten Geschäfte machst? Warum weinst Du nicht, wenn ein naher Verwandter stirbt? Wenn deine Lieblingssendung abgesetzt wird? Oder wenn Du Zwiebel schneidest?

Dein zu Tränen gerührtes, aber nicht geschütteltes Radieschen


Lieber Schnee!

Alle Jahre wieder die spannende Frage: Kommst Du? Kommst Du nicht? Oder warst Du vielleicht schon da, und wir haben Dich gar nicht bemerkt? Oder wir haben Dich bemerkt, und warten jetzt auf mehr, und dann war’s das auch schon wieder. Oder das dicke Ende kommt noch. Aber früher als es noch einen Winter gab, als Jahreszeiten noch Jahreszeiten waren, und keine Wetterkapriolen und Umweltkatastrophen und Klimazustände, war ja sowieso alles besser.

Dein Radieschen, das immer Saison hat