Textproben

Leserbriefe "... & Radieschen" #7

Liebes Neuwahlgespenst!

Erfahrene Großkoalitionäre mussten dich kaum eineinhalb Jahre lang beschwören, schon hast du dich materialisiert, und jetzt gehst du um und erschreckst die Menschen mit der Aussicht bald wieder vor einer Urne stehen zu müssen. Wer wird wohl diesmal zu Grabe getragen? Die SPÖ? Die ÖVP? Die politische Kultur insgesamt? Und wer trägt wen?

Dein staatsgetragenes Radieschen

P.S.: Wie weit ist es eigentlich von der Insel der Seligen zu einer Bananenrepublik? – Und ab wann ist der Begriff „Staatsbegräbnis“ wörtlich zu verstehen?

P.P.S.: Und hier die Antworten: In Bananenrepubliken gibt’s immer eine Regierung, aber nie einen Wahlkampf. Auf der Insel der Seligen gibt’s immer einen Wahlkampf, aber nie eine Regierung. – Ab der Neuauflage des österreichischen Wörterbuches.


Liebe Wahlbeteiligung!

Letzte Woche bin ich angesichts der Performance österreichischer Innenpolitiker in den Keller (wo ein Radieschen ja auch hingehört) Lachen gegangen, doch ist mir dieses im Hals steckengeblieben, als ich Dich dort gefunden habe, mit Schaufel und Spaten ein tiefes Loch grabend und dabei murmelnd: „Tiefer, tiefer, es reicht noch lange nicht.“

Dein den Boden unter den Füßen verloren habendes Radieschen

P.S.: Ich sehe ja ein, dass Du einen Grund für deine Tiefenbohrungen hast, aber ich habe jetzt dafür keinen Grund, sondern das Grundwasser im Keller.


Lieber Werner Faymann!

Stellen die vielen Brieffreundschaften, die Du im letzten halben Jahr begonnen hast (Brief an Onkel Hans, Post von Jeanee, Brief von Ferdinand Lacina und anderen enttäuschten Mitstreitern deiner Partei), Deinen Beitrag zur Sanierung der Post dar? Oder führst Du einfach nur gern Korrespondenz mit lieben Verwandten und Gesinnungsgenossen? Pflegst freundschaftliche Kontakte auf dem Postweg? Man sieht sich ja so selten. – Aber warum schreibst Du mir nie? Ich wäre doch auch so gerne Dein Briefreund.

Dein auf Post von Dir wartendes Radieschen

P.S.: Was heißt da Anbiederung?


Lieber Markus Rogan!

Du schwimmst zu Gold, zu Silber, zu Bronze. Sicher alles sehr schön für Dich. Aber warum schwimmst Du nicht einmal zu einer einsamen Insel ohne Fernsehkameras und bleibst dort?

Dein Freischwimmer-Radieschen


Lieber Armin Assinger!

Immer noch warte ich auf die Millionenfrage in Deiner Show, die wohl niemand beantworten könnte, nicht einmal der Betreffende selbst: Ist der Kärntner Landeshauptmann: A, schon wieder da; B, sofort wieder weg; C, gleich wieder zurück; oder D, endgültig fort? Zusatzfrage: Und in welcher Funktion?

Dein überfragtes, arm gebliebenes Radieschen


Liebe AUA!

Niemand will mit Dir fliegen, niemand fliegt auf Dich, Du wirst bei keinem Partner landen können, Startschwierigkeiten kriegen, schon bald nicht mehr abheben können, auf der Strecke bleiben, ins Trudeln kommen, in Turbulenzen geraten und eine Bauchlandung hinlegen. Es gibt sicher noch einen Haufen andere Metaphern, die auf Deine Lage gut passen würden, ich habe den Medien auf Anhieb nur diese entnommen. Laß mich dein Luftpirat sein.

Dein flügellahmes Radieschen


Lieber Robinson Crusoe!

Hättest Du es Dir jemals träumen lassen, dass heute so viele Menschen von einer einsamen Insel träumen? Natürlich nur mit 5-Sterne-Hotel, internationaler Küche, bestens ausgebildetem, freundlichem Personal, feinstem Sandstrand und was der Illusionen mehr sind.

Dein auf nur einer Insel hüpfendes Radieschen


Liebes IOC!

Menschenrechtsverletzungen? – Schneller. Umweltbelastung? – Höher. Medienzensur? – Stärker. Ja, so lassen sich politische Lage und olympisches Motto locker unter einen Hut bringen, ja, so lassen sich Politik und Sport vereinen. „And the Winner is…“ Dreimal darf geraten werden. Dabeisein ist eben doch alles.

Dein Chop Suey Radieschen


Liebe Maria Fekter!

Schön, wenn sich die Innenministerin auch in Sachen Wortneuschöpfung betätigt. So haben wir jetzt neben dem Kulturschock, den vermutlich ohnehin jeder Asylwerber angesichts der Republik Österreich zu erleiden hat, und der Kulturschande auch noch das Kulturdelikt. Denn jeder Begriff hat – wenn schon nicht Sinn oder Inhalt – seinen Anfang und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, wehrt man ihm nicht rechtzeitig. Nur Asylanten wohnen in Traiskirchen. Sind wir nicht eine Kulturnation, ariern’t we?

Dein unkultiviertes Radieschen (wildwachsend)